Ein Jagdtag mit „Lady“ Trudi von Nils Börsting

Morgens geht es los, ein wunderschöner Herbstmorgen, ein perfekter Jagdtag. Die Sachen sind gepackt und schon im Auto – bis auf die wichtigste „Person“. Die wartet schon in ihrem „Apartment“. Dort, brav auf den Hinterläufen sitzend, einen Vorderlauf kokett angehoben, harrt sie der Dinge die da kommen sollen. Schnell noch ein leuchtend-orangefarbenes Signalband angelegt (ich hoffe es gefällt ihr) und auf geht’s.

Am Treffpunkt angekommen beginnt nach der allgemeinen Begrüßung auch schnell das erste Treiben – ich werde als „Vorsteher“ mit Hund eingeteilt. Ein Blick in Trudis Gesicht verrät mir was sie denkt: „Das missfällt uns sehr – I’m not amused...“.

Wie goldene Speere brechen die Sonnenstrahlen durch den mittlerweile wolkenverhangenen Himmel und alsbald öffnet Petrus seine Schleusen. „Regen, wie unangenehm“ – so oder ähnlich geht es Trudi wohl durch ihren Kopf, denke ich mir. Nicht dass sie nicht hart im Nehmen, unpassioniert oder zart besaitet ist, aber so etwas wie – Regen – wird nur so weit genossen, wie es unbedingt möglich / nötig ist. Gleiches gilt für sprinten am Rad, es gibt einfach Dinge, die nicht sein müssen – zumindest nicht für Trudi, wohl dosierte Unterneh-
mungen, ja! Alles andere, nicht unbedingt.
Inzwischen ist das Treiben weit vorangeschritten und die „heiße Phase“ für die Vorsteher beginnt. Da schießt auch schon ein hoher Fasan direkt auf mich zu. Ich kann spüren, wie sich Trudis Körper an meiner Seite anspannt. Mein Schuss bricht; einmal, zweimal. Doppelfehler. Trudi entspannt sich, Atmet stark hörbar aus und ich meine in ihrem Gesicht wieder deutlichst ein „I’m really not amused...!“ lesen zu können. Und, als ob sie diesen Eindruck  verstärken möchte, hebt sie indigniert eine ihrer ergrauten Augenbrauen und wendet nach kurzem Blick-kontakt mit mir enttäuscht ihr Antlitz ab..
Ich schäme mich schon fast, muss aber trotzdem lachen, denn diese Hundedame hat ein gran-dioses Talent uns ihre „Befindlichkeit“ durch ihr Verhalten und durch Körpersprache mitzu-
teilen.

Aber „unsere“ Chance kommt; ein auf dem Wind querreitender Fasan wird von meiner Garbe erfasst und rolliert im Flug. Trudi hat ihn  fest im Blick und wartet gespannt aber ruhig auf mein Kommando. Ein geflüstertes „Apport“ reicht  und wie eine Maschine spult sie ihr Programm ab. Kein anderer Hund wagt es, ihr die Beute abspenstig zu machen, keine Anstrengung, kein Ungehorsam, einfach angenehmes und entspannendes, abgeklärtes Jagen ist und war von Anfang an ihr Markenzeichen.
Sie bringt  und übergibt mir sauber „unsere“ Beute und drückt sich danach sitzend eng an mein Bein. Ihre Art, durch körperliche Nähe mir ihre Freude über den Erfolg zu zeigen! Ich hoffe, dass ich meine Scharte von vorhin wieder ausgewetzt habe...!

KS Trine v. Dinkelhof, genannt Trudi   gew. 22.11.2000

Dr.- Kleemann-Zuchtausleseprfg. 2004, Österreich (KS =Kleemannsiegerin)