Herbstzeit, Jagdzeit, Kurzhaarzeit! von Nils Börsting

Ahhhh, endlich.

Meine liebste Jahreszeit steht vor der Tür. Ich freue mich jedes Jahr wieder auf diese wunderbaren Tage.

Das freudige Gefühl beginnt meist schon einen Tag vorher, bei dem Bereitlegen der Ausrüstung nämlich. Schnell werden noch einmal die diversen Utensilien geprüft: Jagdschein parat? Waffe und Patronen ok? Stiefel sauber und dicht? Warnweste noch intakt? Leine und Halsung einsatzbereit?

Dann naht die eigentliche Treibjagd, kurz ein kräftiges Frühstück und dann das Auto beladen. Meist geht’s mit meinem Bruder zusammen los, da kommt schon einiges zusammen. Allein die Box für die Hunde füllt den ganzen Kofferraum. Leinen, Stiefel, Jacken und Waffen verleiben sich den restlichen Platz ein.

Zum Schluss werden die Hunde geholt – die wissen natürlich schon längst was los ist, sind voller aufgeregter Vorfreude und tun diese auch lauthals kund. Also heißt es erstmal Ruhe in die Rasselbande bringen. Halsung und Warnhalsband anlegen, anleinen und dann wird erstmal Gehorsam geübt; Apport, bei Fuß, Platz, das ganze Programm. Diese Übungen werden (meiner Meinung nach) mit einem Mix aus purer Euphorie und einem guten Schuss Ungedult absolviert. Der Frequenz der Rute nach zu Urteilen stellt der Kurzhaar in solch einem Gemütszustand sowieso nur ein Frage: Wann geht es endlich los?!

Ein herrlicher Tag, eiskalt trotz Sonne und strahlend bunt in vollster Pracht. Intensiv gelbe Senffelder heben sich vor in allen rot und braun Tönen leuchten Wäldern ab. Der Klang der Jaghörner trägt weit durch die klare Luft und der Atem der Jäger und Hunde kristallisiert unmittelbar vor dem Gesicht. Der Frost auf dem Senf blinkt wie tausend und abertausend kleiner Diamanten.  Hier und da werden von Sonnenstrahlen einzelne Flecken angetaut.

Wundervoll.

Die Treiberkette setzt sich gemächlich wie eine Dampflok in Bewegung. Meine Bailey hingegen beschleunigt von 0 auf 100 in gefühlten 0,3 Sekunden. Auf diesen Start hat sich schließlich seit Ende Januar gewartet! Immer schnell schlägt sie die Haken quer vor mir durch den Senf, verhaart, holt Wind, macht weiter, wartet auf mich, fängt von vorn an.

Dabei geht mir das Herz auf. Das ist für mich die schönste Art des Jagens.

Jäger und Hund: Ein Team, eine Passion.

Ich bewege mich durch den Senf, aktuell kann ich nicht genau bestimmen wo sich mein Hund befindet, auch auf Doppelpfiff keine Reaktion…

Dann erreiche ich einen Windwurf im Senf und sehe Baileys Kopf aus dem Dickicht schauen.

Wie angewurzelt steht sie da, bewegt sich kein Stück… die Ohren auf vollem Empfang geschaltet. Leicht in den Knien fixiert sie eine Stelle ca. 2 Meter vor sich. Wunderschön. Dies ist ein Augenblick und eine Erinnerung die mir immer wieder das Herz wärmt.

Langsam nähere ich mich, plötzlich schießt ein Hahn aus dem Nichts von Boden Richtung Himmel, wirft sich auf den Wind und geht hoch über Kopf zur Sonne. Bailey verharrt weiter in der Bewegung und verfolgt wie ich den Hahn mit Blicken. Die Flinte geht in den Anschlag, entsichern, erster Schuss, zweiter Schuss, der Hahn rolliert im Flug und stürzt wie vom Blitz getroffen in den Senf.

Das Apportkommando wird sauber und zuverlässig ausgeführt, stolz und konsequent bringt mir Bailey den Hahn, macht sitz, gibt den Hahn frei, es geht weiter. Guter Hund.

Es ist ein herrlicher Tag mit wunderschönen Treiben und einer tollen Strecke. Die Hunde zeigen was sie können und es wird sauber und ordentlich geschossen.

Während des Schüsseltreibens liegt Bailey unter meinem Stuhl und schlummert vor sich hin, müde vom Tag, genießt die Wärme und entspannt. Gelegentlich beuge ich mich zur ihr hinab und streichle sie.

Dann blicken mich zwei große braune Augen an ich meine das sie fragen:

Wann geht es endlich los?